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Ein Gespräch ist nicht die Summe seiner Teile

In lichter Position schwebt der Meister auf der Leiter. Heftig interessiert schaut sein Auszubildender zu ihm hoch.

Meister, welcher sich mit seinen Augen mühsam an schattiger Deckenecke festhält: Gib mir den Hammer, schnell!

Dabei wackelt er ein wenig.

Hammer kommt.

Meister: Na und …?

Aufmerksamer Stift reicht ihm hoch ne Schraube.

Nicht den Ort der Tat aus seinem festen Blick lassend, greift der Meister blind hin. Fühlt Schraube.

Meister schwankt, hält sich an der Schraube fest.

Meister: Mensch und Kerl. Du biologisches Fehlurteil. Hast du noch alle? Ich habe doch nen Hammer in der Hand!

Stift: Ja, das sehe ich.

Ob bestätigender Zuwendung des Auszubildenden äußerst irritiert wie verstört, gerät des Meisters Halt und Haltung nun in die Lage eines ungesicherten Drahtseilaktes.

Meister, nun hochdynamisch erbost von oben: Habe ich den Hammer, was brauche ich dann?

Auszubildender: Meister! Oh. Auf alle Fälle nen bess‘ren Halt, Chef.

Ob dieser sachgemäßen und augenblicksrechten Antwort seines Auszubildenden reicht des Meisters rettender Halteblick von der Deckenecke nicht mehr so ganz und aufs äußerste flüchtend fällt noch sein Hammer nach unten und freie Hand klammert an der Leiter.

Ob dieser spontanen wie merkwürdigen Änderung des Meisters plötzlich neuer Arbeitsidee nun höchst  verwundert.

Auszubildender:  Wusst ich‘s doch. Meister. Hier ist der Schraubendreher.

Des Meisters sonst so coole geistige und seelische Mobilität gerät vollends aus den Fugen und wutentbrannt widerstreitet ebenso auch körperliche Stabilität und Lage.

Unerwartet, gleichwohl aber in dichtester Solidarität Meister und Leiter vereint, erreichen beide in dynamischertreuer Flugbahn ihre stabile Lage am Boden. Noch heute weiß man in eingetretener Stille nicht, wer es sagte: Unterhalb der gesprochenen Sprache – still wirken die Dinge!

ingo

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