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Gesprächskultur

Bis auf einen hörten alle, aber keiner hin. Der Rest dachte, doch nicht laut.

Eigentliche Sache, um die es ging, stahl sich hinaus. Sie wurde nicht mehr gebraucht!

 

Wer hätte obige Situation nicht schon erlebt? Es geht um Gesprächskultur und um die Fähigkeit, sprachlich miteinander umzugehen. In den meisten Situationen täglichen Lebens befinden wir uns in üblichen Gesprächsweisen rein mitteilender Information. Wir bewegen uns auf allseits akzeptierten Boden; Verhalten und Sprache laufen entspannt. Anders schon die Situation, wenn eine gemeinsame Sache zusätzlichen Klärungsbedarf verlangt. Nun gilt es, sich abzustimmen. Wenn der Gegenstand der Klärung – und vor allem das, was er späterhin bewirkt – ohne größere Konsequenzen für die Gesprächspartner hat oder von so fernen Kräften bestimmt ist, für die man sich nicht verantwortlich sieht – wird man sich in aller Regel schnell einig. Diese Art von Gesprächen trifft auch für all jenes, wie naturgesetzliche Mechanismen zu. Zum Beispiel mathematischen Formeln, oder dem, was dem allgültigen Kanon von Recht und Gesetz unterliegt.              

Eine zusätzliche Steigerung von Abstimmungsarbeit tritt ein, wenn die zu klärende Sache Verhältnissen und Bedingungen ausgesetzt ist, welche die Gesprächspartner unterschiedlich beurteilen. Erst jetzt kann man im eigentlichen Sinne von einem vorliegenden «Problem» sprechen.

Nun gibt es keinen neutralen Gesprächsboden mehr, um zur allerbesten Lösung des Problems zu kommen. Doch welches ist sie, die beste Lösung? Wir können sie definieren: «Allerbeste» Lösung wird nur das werden, was den realen Wirkungsmechanismen allgemeinem bürgerlichen Lebens wirklich folgt. Da jeder in seinem Leben eigene Erfahrungen gesammelt hat, auf andere Weise die Dinge zu sehen, so besitzt das Problem zunächst viele Lösungen. Doch eine wird es geben, welche sich, ohne Widersprüche zu erzeugen, schlank und rank durchsetzten wird, weil sie eben aus der Erfahrung aller kommt. Hier sind wir am Punkte gemeinsamen Meinungsaustausches. Handelt es sich um eine offene Diskussion, in der alle Meinungen zur Sprache kommen, besitzt herausgearbeitetes Ergebnis zwangläufig größte Durchsetzungs- oder Bewährungsgewissheit. Doch der Wert dieser Lösung hat einen hohen Preis: Sie zeigt sich nur in geordneter vernünftiger Gesprächskultur und diese zu pflegen ist hohe bürgerliche Tugend.

Man muss sich also, da zum gleichen Problem die Erfahrung vieler ansteht, auf eine einigen. Bewährteste Lösung ist das … auf was man sich gerade noch einigen kann … Um an dieses Optimum zu gelangen, das setzt ernsthaft eingehaltene Gesprächsregeln voraus: Wirklich hinhören können – den anderen ausreden lassen – Zeit zum Nachdenken aller geben – andere Teilnehmer zu «Worte» kommen lassen. Folgt man diesem Prinzip, dann kommt man an jene Lösung, welche mit höchstem Bewährungsgrad ausgestattet ist, weil die Erfahrung aller darin einfloss. Und wenn Teilnehmer von sich aus diese Diskussionsregeln nicht beherrschen, so muss zumindest einer der Versammelten straff moderieren.

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One thought on “Gesprächskultur

  1. Zur Gesprächskultur
    Falsch ist es, einen zur Diskussion anstehenden Fall schnell zum Regelfall zu proklamieren. Wird dieser gesucht, dann arbeite man verschiedene Musterfälle heraus. Hier geht es um das Sortieren. Möglichst hierzu viele Muster erfassen. Man bemühe eventuell die Statistik? Denn das lenkt eigene Ansichten der Teilnehmer aufs Allgemeine.
    Die eigene Person hat keinen unverstellten Blick ins Innenleben. Erkenne Scheinkorrelationen! Korrelation ist nicht Kausalität

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